22. Oktober 2026

Stellungnahme zur „Hate Review 2026“ von Forbidden Colours

Stellungnahme zur „Hate Review 2026“ von Forbidden Colours – Länderkapitel Österreich
Ärzteforum für das Leben Ostösterreich · Wien, 22. Oktober 2026

Anlass

Der Bericht „The Hate Review 2026“ der Organisation Forbidden Colours ordnet ärztliche Lebensschutz-Positionen einem „Anti-Gender“- bzw. „Anti-Rights“-Spektrum zu. Ärzte, die sich im Lebensschutz engagieren, werden im Bericht unter den Generalverdacht einer politischen Hass-Kultur gestellt, der durch Nachweise ihrer Aktivitäten bestätigt werden soll. Da diese Einordnung Ärztinnen und Ärzte betrifft, die Schwangerschaftsabbruch sowie transaffirmative Hormon- und Operationsbehandlungen Minderjähriger aus evidenzbasierten Gründen kritisch beurteilen, nehmen wir als Ärzteforum für das Leben Ostösterreich dazu Stellung und beleuchten die medizinische Realität.

Wir bekennen uns zur Würde jedes Menschen, unabhängig von Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung, und lehnen jede Herabsetzung ab. Unsere Kritik betrifft Behandlungsmethoden und deren Evidenzlage, nicht Personen. Im vorliegenden Bericht sehen wir den Versuch, evidenz-basierte Medizin aus ideologischen Gründen in den Hass-Bereich zu ziehen und deren politische Instrumentalisierung von manchen rechts-gerichteten Parteien in Europa als Totschlagargument zu benutzen.

1. Zu Methodik und Begrifflichkeit des Berichts

Bereits bei der Benennung der Akteure zeigen sich Recherchemängel. Der Bericht führt eine „Plattform Ärzte für das Leben“ als Organisation der österreichischen Ärzteschaft an. Eine derzeit tätige Vereinigung dieses Namens ist uns nicht bekannt; die Bezeichnung geht auf einen Verein der 1980er-Jahre zurück. Tätig sind heute die „Ärzte für das Leben“ in Deutschland, sowie die regionalen „Ärzteforum für das Leben“ in Salzburg, Tirol und Ostösterreich. Einen Beleg für die Existenz einer „Plattform Ärzte für das Leben“ führt der Bericht nicht an.

Auch die quantitative Darstellung genügt wissenschaftlichen Mindeststandards nicht. Die Zeitleiste der Figure 7 ordnet „Aktivitäten“ nach Jahr und Themenfeld Kategorien wie Protest, Petition oder Desinformation zu, ohne offenzulegen, nach welchen Kriterien die Ereignisse ausgewählt, kodiert und gewichtet wurden. Die fünfstufige Farbskala zur Entwicklung seit 2001-2005 beruht auf nicht definierten Schwellenwerten. Die Auswertung ist damit weder nachvollziehbar noch reproduzierbar. Zudem fasst der Bericht medizinische Fachleute, religiöse Gruppen, Parteien und gewaltbereite Aktivisten in einer Kategorie zusammen.

2. Geschlechtsdysphorie bei Minderjährigen: eine offene Evidenzfrage

Der Bericht wertet Forderungen nach Zurückhaltung bei Hormon- und Operationsbehandlungen Minderjähriger als „anti-gender“. Diese Zurückhaltung wird aber international auf Grundlage systematischer Evidenzprüfungen neu bewertet:

Die Evidenz für ausschließlich psychotherapeutische Ansätze ist ebenfalls begrenzt; die American Academy of Pediatrics und die wissenschaftlich umstrittene deutschsprachige S2k-Leitlinie (2025) kommen dabei zu abweichenden Empfehlungen. Es handelt sich um eine wissenschaftliche Kontroverse, die mit Daten zu klären ist. Wir befürworten Zurückhaltung bei irreversiblen hormonellen Behandlungen und chirurgischen Eingriffen, systematische Langzeitregister in Österreich sowie Versorgungsangebote für Menschen nach Detransition.

Solcher Art medizinischer Evidenzprüfung pauschal als „anti-gender“ oder „Hass“ zu bezeichnen, wäre ungefähr so, als würde man das Thematisieren der Nebenwirkungen einer Chemotherapie als „anti-chemo“ oder „chemofeindlich“ bezeichnen. Es geht aber bei der Diskussion verschiedener Behandlungen nicht um Polarisierungen und Aktivismus, sondern um empirische Beweise. Ganz generell ist medizinische Forschung nur deshalb, weil sie von verschiedenen politischen Strömungen benutzt wird, selbst keine Kampagne oder Rhetorik, wie in dem gesamten Bericht suggeriert wird, sondern Naturwissenschaft. Hier wird also bewusst eine sprachliche Verwirrung erzeugt, die man durchaus als Demagogie bezeichnen könnte.

3. Schwangerschaftsabbruch: Datenlage und Versorgung

4. Fazit

Der Titel des Berichts nimmt bereits das Ergebnis vorweg: Rechtmäßig und friedlich vertretene Positionen werden unter den Begriff „Hass“ gefasst, ohne dass sie inhaltlich geprüft würden. Eine solche Etikettierung ersetzt die Auseinandersetzung mit Argumenten und dient eher der politischen Mobilisierung als der Analyse. Was der Bericht also anderen vorwirft, tut er selbst auf eklatante Weise. Verschiedener Meinung zu sein und diese auch noch empirisch belegen zu können, ist die Grundlage einer demokratischen Debattenkultur und keinesfalls eine Hass-Kultur. Andere Meinungen pauschal als unzulässig zu erklären, widerspricht dem Grundsatz eines offenen demokratischen Diskurses.

Die Ärzteforen für das Leben in Österreich bieten ärztliche Beratung bei Konfliktschwangerschaften, nach pränatalen Befunden, in der Palliativmedizin sowie für Betroffene nach transaffirmativen Behandlungen an.

Den Autorinnen und Autoren des Berichts bieten wir einen sachlichen Austausch an, bei dem klar zwischen naturwissenschaftlicher Evidenz und politischer Instrumentalisierung unterschieden werden muss.

Kontakt: info@aerzteforum-ost.at

Quellen

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