Medizin für eine menschliche Identität
Alternative Sichtweise zu sog. transaffirmativen Behandlungen
Medizin ist eine Naturwissenschaft über den Menschen und schließt damit auch die Psyche, die Leib-Seele Einheit und deren Erkrankungen und Therapien mit ein. Als Ärzteforum für das Leben bekennen wir uns zu einer wissenschaftlichen evidenzbasierten Medizin. Dazu gehört auch, dass es immer wieder „Dead Ends“ gibt, d.h. Hypothesen und Forschungsrichtungen bis hin zu durchgeführten Therapien, bei denen sich herausstellt, dass sie die Erkrankung oder Störung nicht wirksam behandeln, sondern sogar schädlich sein können. Transaffirmative Behandlungen müssen nach allem, was wir bisher darüber wissen, offenbar zu diesen “Dead Ends” gerechnet werden.
Naturwissenschaftliche Fakten
Es entspricht einer gesunden menschlichen Natur, mit ihrem gegebenen Körper im Einklang zu leben und ihm weder psychische noch körperliche Gewalt anzutun. Wir werden als männlich (XY) oder weiblich (XX) geboren, oder als Menschen mit einer Störung auf genetischer, physiologischer und damit meist auch phänotypischer Entwicklung und Ausprägung. Dass diese körperlichen Gegebenheiten eine breite Variation der männlichen und weiblichen Persönlichkeit zulassen, entspricht der Plastizität der menschlichen Psyche und hat uns glücklicherweise zum Verlassen von althergebrachten Stereotypen gebracht (rosa/blau etc.). Auch in der psychosozialen Entwicklung können Störungen auftreten, die auch Teilbereiche der Psyche, wie die Identität, betreffen können.
Wir sehen heute die Konsequenzen einer Medizin, die diese Grundsätze verlassen hat und bei gestörter Beziehung zum eigenen naturgegebenen Körper das Symptom der Inkongruenz bestärkt, und eine psychotherapeutische – nicht nur hormonelle und chirurgische – Therapie der zugrundeliegenden Identitätsstörung kategorisch ablehnt. Mastektomien an jungen Frauen werden als angeblich therapeutische geschlechtsangleichende Therapie “indiziert”, ohne jegliche Evidenz und Langzeituntersuchungen. Wir sehen sogenannte Detransitioner, die nach Jahren an diesen und anderen irreversiblen Maßnahmen nahezu verzweifeln. Wir sehen äußerlich zu Frauen gemachte Männer, die in Frauensportarten auf unfaire Weise Trophäen abräumen, oder in Frauengefängnissen zu Sexualstraftätern werden. Wir müssen uns von Aktivisten belehren lassen, dass Männer, die durch Hormonbehandlung eine weibliche Körperfettverteilung bekommen, die gleichen körperlichen Voraussetzungen hätten wie Frauen.
Trend der Diagnose Genderdysphorie
Gleichzeitig sehen wir einen massiven Anstieg von Genderdysphorie unter pubertären jugendlichen Mädchen mit psychischen Gesundheitsproblemen 1Littman L (2018) Parent reports of adolescents and young adults perceived to show signs of a rapid onset of gender dysphoria. PLoS ONE 13(8): e0202330. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0202330, die häufig durch diesen in social-media unterstützten “Trend” glauben, dass sie an Genderdysphorie leiden, entsprechende Wege einschlagen, darin bestärkt und medizinisch unterstützt werden und Gefahr laufen, letztlich einen noch schlimmeren psychischen und körperlichen (und diesmal irreversiblen!) Schaden zu erleiden. Die oft angeführte Prävalenz der Genderdysphorie von 0,7-0,8% der Bevölkerung bildet nicht diesen rapiden Anstieg in der Altersgruppe der Jugendlichen ab und wird oft von Befürwortern transaffirmativer Behandlungen erwähnt, um Trendbefürchtungen als unbegründet und transphobisch hinzustellen 2Der Standard 04.07.2025, Johannes Wahala: „Die Diskussion zu Transjugendlichen ist haarsträubend“: https://www.derstandard.at/story/3000000277842/johannes-wahala-die-diskussion-zu-transjugendlichen-ist-haarstraeubend zuletzt aufgerufen am 18.03.2026.
Dass es diesen Trend jedoch gibt, kann vielfach belegt werden, so z.B. in einer Untersuchung des Nationalen Gesundheits- und Wohlfahrtsamtes “Socialstyrelsen” in Schweden, die ergab, dass es unter den 13- bis 17-jährigen Mädchen zwischen 2008 und 2018 einen Anstieg der Diagnose “Genderdysphorie” um 1500% gab 3Socialstyrelsen. (2020). The evolution of the diagnosis of gender dysphoria: Prevalence, co-occurring psychiatric diagnoses and mortality from suicide.Available from https://www.transgendertrend.com/wp-content/uploads/2020/11/English-NBHW-report-002.pdf zuletzt aufgerufen am 18.03.2026.
Gefährdung für Kinder- und Jugendliche
Als Ärzte und insbesondere Familienmediziner ist uns die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen ein besonderes Anliegen. Wir sind in engem Kontakt mit Eltern von transaffirmativ behandelten Jugendlichen, die die ersten leidtragenden dieses Hypes sind. Viele Jugendliche unserer Zeit sind Opfer einer Relativierung von identitätsstiftenden Faktoren, deren Medikalisierung und willkürlicher Manipulation. Was vorher noch zu vermeidende Stereotypen waren, sind auf einmal zu erzielende Merkmale von transidenten Jugendlichen. Dieses Verhalten sehen wir aus kinder- und jugendschutzrechtlichen Gesichtspunkten als Gefährdung für die psychosoziale Entwicklung und als Ärzte wollen wir daran nicht mitwirken. Ein Blick in die psychiatrischen Gefälligkeitsgutachten dieser Patienten, die uns in der hausärztlichen Praxis begegnen, ist uns schon genug, um die Verabreichung gegengeschlechtlicher Hormone in Frage zu stellen. Auch der “Fall Walter wird Waltraud” 4Die Presse 16.02.2026, “Pension zurückzahlen oder nicht: Was passiert, wenn eine Frau wieder zum Mann wird?” https://www.diepresse.com/20592887/pension-zurueckzahlen-oder-nicht-was-passiert-wenn-eine-frau-wieder-zum und Die Presse, 06.10.2025 “„Fall Waltraud“: Ermittlungen wegen Sozialleistungsbetrugsnach Wechsel des Geschlechtseintrags”: https://www.diepresse.com/20176301/fall-waltraud-ermittlungen-wegen-sozialbetrugs-nach-wechsel-des zuletzt aufgerufen am 18.03.2026 hat diese Art von Gutachten ad absurdum gestellt. Ein Mann erklärt mit fachärztlich attestierter Transidentität einfach, er sei eine Frau, um früher in Pension gehen zu können. Wir sind uns bewusst, dass es in extrem seltenen Fällen eine Störung der Geschlechtsidentität geben kann, die allein mit psychotherapeutischer Therapie schwer behandelbar ist. Das rechtfertigt jedoch nicht die ideologische Instrumentalisierung dieser Störung, um damit eine Vorstellung von Körper und Psyche zu erzwingen, die der menschlichen Natur widerspricht und den Menschen durch willkürliche Machbarkeit in einer Art Rebellion von seinem eigenen Körper befreien will. Eine Freiheit, die auch mit der Manipulation des Körpers, also mit Gewalt erreicht werden soll.
Etwas als krank oder Störung zu bezeichnen bedeutet keine Diskriminierung der Betroffenen. Ebenso besteht für Kranke stets die Möglichkeit, von Ihrer Freiheit Gebrauch zu machen und sich einer empfohlenen Therapie zu verweigern. Medizin ist daher stets ein Angebot, jedoch kein ideologisches, sondern ein naturwissenschaftliches und als solches muss es auch mit den geltenden Methoden begründet werden können.
Deutsche Sk2 Leitlinie zu transaffirmativen Behandlungen
Ausgehend von diesen Zusammenhängen in der Medizin halten wir eine Pubertätsblockade oder mutilierende, sog. geschlechtsangeleichende Operationen nicht für therapeutisch, sondern sehen sie als Körperverletzung ohne medizinisch evidenz-basierte Begründbarkeit. Diese ist aus den bisherigen Erkenntnissen auf dem Gebiet der Genderdysphorie nicht gegeben und wir werden hier auf Publikationen verweisen, die die vorhandenen Studien nach den geltenden wissenschaftlichen Qualitätskriterien analysieren und einordnen. Anhand dieser Analysen sehen wir die Sk2 Leitlinie “Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie im Kindes- und Jugendalter – Diagnostik und Behandlung” 5S2k-Leitlinie Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie im Kindes- und Jugendalter – Diagnostik und Behandlung. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-014 aus dem Jahr 2025 als Armutszeugnis der unterzeichnenden medizinischen Gesellschaften und Abkehr von einer evidenz-basierten hin zu einer von der Gender-Ideologie voreingenommenen eminenz-basierten Medizin.
Ideologie oder Wissenschaft
In der Öffentlichkeit wird jede Kritik an einer Medizin, die sich allein dem Willen des Patienten verfügbar macht, schnell als bevormundend, intolerant, transphobisch und ideologisch behaftet verurteilt. Schreien und Missachten waren jedoch noch nie Argumente, heute müsste man das auf Bashing oder Cancelling erweitern. Es hat jedoch Ausmaße angenommen, die einen normalen wissenschaftlichen Diskurs vonseiten der Befürworter geschlechtsangleichender Maßnahmen gar nicht mehr zulassen. So geschehen auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie 2025 6Korte, A. 2025: https://www.youtube.com/watch?v=7njgOOYa1eA, zuletzt aufgerufen am 18.03.2026.
Neben der mangelhaften wissenschaftlichen Nachvollziehbarkeit sind wir der Meinung, dass die transaffirmative Behandlung zusammen mit anderen, die menschliche Natur manipulierenden, “medizinischen” Behandlungen wie der In Vitro Fertilisation (IVF) und der In Vitro Gametogenese (IVG) selbst einer Ideologie folgen, die nicht auf den Schutz und die Heilung des Körpers, sondern letztlich auf Macht über die menschliche Natur und ihre Nutzbarmachung, ihre Medikalisierung und Industrialisierung abzielen, unter dem Vorwand, die menschliche Evolution voranzutreiben, weil alle Tätigkeiten des Menschen zur Evolution seiner Natur gehören würden. Eine Ideologie, die gemeinhin auch als Transhumanismus bekannt ist. Für diese Tatsache haben wir ebenso entsprechende Quellen in diesem Artikel zusammengefasst.
Wir sehen es als unsere Pflicht, auf die Notwendigkeit von niederschwelligen Angeboten für durch transaffirmative Behandlungen geschädigte Menschen hinzuweisen und appelieren an alle in diese Behandlungen involvierten Mediziner, sich an einer wissenschaftlichen Debatte zu beteiligen. In Österreich gibt es noch keine Detransitionseinrichtungen, wie sie aktuell (Stand März 2026) bereits in anderen Ländern entstehen 7NHS, Großbrittannien: https://www.england.nhs.uk/long-read/call-for-evidence-a-clinical-pathway-for-adults-who-have-previously-undergone-a-gender-transition-and-who-wish-to-detransition/ zuletzt aufgerufen am 18.03.2026. Daher können wir vorerst nur auf entsprechende Selbsthilfegruppen verweisen, wie der Elterninitiative ROGD Österreich.
Quellen / Literatur
- 1Littman L (2018) Parent reports of adolescents and young adults perceived to show signs of a rapid onset of gender dysphoria. PLoS ONE 13(8): e0202330. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0202330
- 2Der Standard 04.07.2025, Johannes Wahala: „Die Diskussion zu Transjugendlichen ist haarsträubend“: https://www.derstandard.at/story/3000000277842/johannes-wahala-die-diskussion-zu-transjugendlichen-ist-haarstraeubend zuletzt aufgerufen am 18.03.2026
- 3Socialstyrelsen. (2020). The evolution of the diagnosis of gender dysphoria: Prevalence, co-occurring psychiatric diagnoses and mortality from suicide.Available from https://www.transgendertrend.com/wp-content/uploads/2020/11/English-NBHW-report-002.pdf zuletzt aufgerufen am 18.03.2026
- 4Die Presse 16.02.2026, “Pension zurückzahlen oder nicht: Was passiert, wenn eine Frau wieder zum Mann wird?” https://www.diepresse.com/20592887/pension-zurueckzahlen-oder-nicht-was-passiert-wenn-eine-frau-wieder-zum und Die Presse, 06.10.2025 “„Fall Waltraud“: Ermittlungen wegen Sozialleistungsbetrugsnach Wechsel des Geschlechtseintrags”: https://www.diepresse.com/20176301/fall-waltraud-ermittlungen-wegen-sozialbetrugs-nach-wechsel-des zuletzt aufgerufen am 18.03.2026
- 5S2k-Leitlinie Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie im Kindes- und Jugendalter – Diagnostik und Behandlung. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-014
- 6Korte, A. 2025: https://www.youtube.com/watch?v=7njgOOYa1eA, zuletzt aufgerufen am 18.03.2026
- 7NHS, Großbrittannien: https://www.england.nhs.uk/long-read/call-for-evidence-a-clinical-pathway-for-adults-who-have-previously-undergone-a-gender-transition-and-who-wish-to-detransition/ zuletzt aufgerufen am 18.03.2026
- 8Zepf FD et al (2025), link: https://www.zi-mannheim.de/fileadmin/user_upload/downloads/forschung/KJP_downloads/Gemeinsame_Kommentierung_Leitlinienentwurf_S2k-240521.pdf zuletzt aufgerufen am 02.02.2026
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- 29Die Presse 06.10.2025 „Fall Waltraud“: Ermittlungen wegen Sozialleistungsbetrugsnach Wechsel des Geschlechtseintrags https://www.diepresse.com/20176301/fall-waltraud-ermittlungen-wegen-sozialbetrugs-nach-wechsel-des zuletzt aufgerufen am 07.04.2026
